Ceci n’est pas une pipe

Irgendwann in der letzten Woche – es muss Montag oder Dienstag gewesen sein – fand ich beim Aufräumen eine Weihnachtskarte im Bücherregal, die mir mein lieber Freund Marcel letztes Jahr geschickt hatte. Nun ja, ich gebe zu, das Motiv ist ungewöhnlich und ganz und gar nicht typisch für eine Weihnachtskarte. Aber Ihr könnt mir ruhig glauben: Es ist wirklich eine. Sogar eine, über die ich mich ganz besonders gefreut habe, weil sie einige persönliche Sätze enthielt, die mir viel bedeuten. Darauf will ich allerdings jetzt nicht weiter eingehen. Worüber ich etwas erzählen möchte, ist vielmehr das auf der Karte abgebildete Gemälde.

Dies ist weder eine Tabakdose noch eine Postkarte

Wie gesagt, handelt es sich nicht um eine typische Weihnachtskarte. Nein, nein, sie zeigt etwas ganz Unweihnachtliches. Sie zeigt eine dunkelbraune Pfeife, eine Bent, um genau zu sein, mit schwarzem Mundstück. Darunter ist der französische Satz „Ceci n’est pas une pipe“ („Dies ist keine Pfeife“) zu lesen.

Die Kunstkenner unter Euch wissen spätestens jetzt, wovon ich rede. Es handelt sich um eine Abbildung des Gemäldes La trahison des images (Der Verrat der Bilder), das der belgische Maler René Magritte im Jahre 1929 geschaffen hat.

Ganz offensichtlich ging es dem Maler darum, durch den anscheinenden Widerspruch zwischen Bild und Bildunterschrift auf etwas aufmerksam zu machen. Einer gängigen Interpretation zufolge sei es die Tatsache, dass es sich wirklich nicht um eine Pfeife, sondern um das Bild einer Pfeife handle.

Vielleicht – und das ist nur meine persönliche Meinung – vielleicht steckt aber noch ein wenig mehr dahinter. Jedenfalls kam mir der Gedanke letzte Woche, während ich im Garten eine Pfeife rauchte und dabei Marcels Weihnachtskarte betrachtete.

Ursprünglich wollte ich etwas – passend zur Jahreszeit – über einen Sommertabak schreiben. Namentlich über den Peterson Summertime 2012, einer Mischung aus Virginia, Burley und Cavendish mit dezentem Kokos-, Vanille- und Limonenaroma. Ich betrachtete Magrittes Pfeife, eine schön geschwungene, klassische Pfeife und wurde nachdenklich.

Magritte hatte Recht. Wenn wir ein Bild betrachten, verlieren wir uns zumeist im Motiv des Bildes und vergessen dabei, dass wir eigentlich ein Bild ansehen und nicht das Motiv selbst. Es ist wie der Philosoph Martin Heidegger einst schrieb: „Das ontisch Nächste und Bekannte ist das ontologisch Fernste, Unerkannte und in seiner ontologischen Bedeutung ständig Übersehene.“ Auf unser Bild bezogen heißt das, dass wir selbst in der Reflexion über ein Bild immer nur über das Motiv nachdenken, nicht aber über den Träger, das Bild selbst.

Gut und schön, Heidegger und Magritte sind nun also einer Meinung. Na und? Davon geht doch die Welt nicht unter. Und gerettet wird sie auch nicht. Also was soll’s?

Nun ja, wie gesagt hat mich das Bild nachdenklich gemacht. Der Grund dafür war jedoch nicht, dass der Philosoph und der Maler einer Meinung waren. Vielmehr viel mir auf, dass wir in einer Zeit leben, in der wir fast nur noch das Bild selbst, das Papier, den Träger, wahrnehmen. Nicht mehr jedoch die Pfeife, das Motiv.

Wir wissen heute mehr denn je über die Natur und den Menschen. Wir kennen die physikalischen Gesetze der Natur, wissen um die psychologischen Prinzipien, nach denen das menschliche Verhalten sich fast schon errechnen lässt. Die politischen und vor allem ökonomischen Prinzipien, an denen sich unser Leben und das unserer Gesellschaft orientiert, sind uns längst bekannt. Wir kennen – um im oder besser gesagt beim Bild zu bleiben – die exakte Zusammensetzung von Papier und Farbe. Wir können Alter und Echtheit des Gemäldes bestimmen. Aber wir sehen die Pfeife nicht mehr. Und das ist schlimm. Denn es ist nicht das Papier oder die Farbe oder sonst etwas, das sich wissenschaftlich analysieren ließe, das dem Bild Sinn und Bedeutung verleiht. Es ist die Pfeife selbst. Sie, die laut Magrittes Satz, recht eigentlich gar nicht da ist.

Als ich so darüber nachdachte, fiel mir auf, dass es sich mit meinem Tabak irgendwie ähnlich verhielt. Ich konnte die analytische Perspektive wählen, wie ursprünglich geplant. Ich würde jeden Zug an meiner Pfeife daraufhin abklopfen, welche Geschmacksnuancen zu entdecken wären. Würde vielleicht noch etwas im Internet zu dem Tabak recherchieren und dann das Geheimnis seines Geschmacks in allen Einzelheiten ans Tageslicht zerren.

Oder ich konnte es einfach sein lassen. Ich konnte den Tabak so nehmen, wie er sich mir zeigte. Ihn als etwas Ganzes, gleichsam unanalysiert, genießen. So wie er war, so wie er schmeckte. Und das tat ich dann auch. Ich entschloss mich trotz oder gerade wegen Magrittes Appell das Bild zu ignorieren und nur die Schönheit der Pfeife zu genießen. Will sagen: den Geschmack des Tabaks.

Zeit für die unschönen Dinge im Leben

Es gibt Termine, die werfen einen langen Schatten voraus. Und je näher sie rücken, desto dunkler und unangenehmer wird ihr Schatten. Für mich ist der 15. Mai einer dieser Termine. Nun liegt das weder daran, dass es ein 15. Mai war, an dem 1940 das erste McDonald’s Restaurant eröffnet wurde, noch an der Tatsache, dass Mickey Mouse ihren ersten Filmauftritt zwölf Jahre zuvor an eben diesem Tag hatte. Ganz im Gegenteil habe ich nichts gegen Mickey Mouse und auch nichts gegen McDonald’s. Gut, das mit der Currywurst, das hätte nicht sein müssen, wenn Ihr mich fragt. Aber sei’s drum. Was mir jedes Jahr aufs Neue die Zeit vor dem 15. Mai verleidet, ist die Fälligkeit meiner Steuererklärung an eben diesem Tage.

Ein Jahr Zungenbrand

Ich beim Ausbrüten eines neuen Artikels.

Es gibt nichts, das so schnell vergeht wie die Zeit. Jetzt ist es schon ein Jahr her, seitdem ich mein Pfeifenraucherblog ins Leben gerufen habe. Es kommt mir vor als wäre es gestern gewesen, da mein lieber Freund und Ex-Kollege Peter Manderfeld von Übergrün mich ermutigte und – als ich nicht schnell genug agierte – geradezu bedrängte, endlich ein Pfeifenraucherblog ins Leben zu rufen. Nun ja – vor einem Jahr, im April 2012 war es dann so weit. Und jetzt will ich zurückzublicken auf das vergangene Jahr.

Das malische Kamel

Es gibt Geschenke, deren Zweck es ganz und gar nicht ist, dem Beschenkten eine Freude zu bereiten. Das bekannteste Geschenk dieser Art ist das trojanische Pferd. Der listige Odysseus hat es sich ausgedacht, um dem Krieg der alten Griechen gegen die Trojaner die entscheidende Wendung zu geben. Die Griechen schenkten, nachdem sie es in zehn zermürbenden Kriegsjahren nicht geschafft hatten, die trojanischen Stadtmauern zu überwinden, den Feinden ein riesiges hölzernes Pferd. Sie erklärten sich als geschlagen und zogen sich scheinbar zurück. In Wahrheit befanden sich im Inneren des hölzernen Geschenks griechische Krieger. Deren Auftrag war klar definiert: Nachdem die Trojaner das vermeintliche Siegesgeschenk ins Innere ihrer Festung gebracht hatten, würden sie dem Inneren des geschenkten Holztieres entsteigen, um den anderen Kriegskameraden die Tore zu öffnen. Gesagt getan. Die Griechen gewannen den Krieg, und bis heute gilt das trojanische Pferd als Sinnbild für Geschenke, die mit böser Absicht gemacht werden.

Wieso, weshalb, warum … ich zum Pfeifenraucher wurde

Letzte Woche hatte meine Schwester die Familie anlässlich ihres Geburtstags zum Abendessen eingeladen. Eine liebe Freundin, die meine Schwester und ich noch aus Kindertagen kennen, war auch dort. Judith – so heißt sie – ist keine Pfeifenraucherin. Umso mehr habe ich mich gefreut als sie mir irgendwann sagte, dass sie trotzdem gerne hin und wieder auf Zungenbrand liest.

Ich weiß gar nicht mehr, wie wir darauf kamen. Vermutlich hing es mit unserem Gespräch über Zungenbrand zusammen. Wahrscheinlich sogar. Nun, wie auch immer. Irgendwann jedenfalls fragte mich Judith, wie ich eigentlich dazu gekommen bin Pfeife zu rauchen.

Der Kohlhase war da

Es ist Ostern. Dieses Jahr habe ich mich entschlossen, mir etwas Besonderes zu gönnen. Nichts Großes. Keine neue Pfeife aus Gold oder so etwas. Nein, nein, eher etwas Kleines aber Feines.

Also ging ich letzte Woche zu Pfeifen Heinrichs, um mich inspirieren zu lassen. Nach einem kleinen Plausch mit Peter Heinrichs wurde ich dann fündig. Ich kaufte mir den Ostertabak von Kohlhase & Kopp.

Das war insofern etwas Besonderes als mir die oft recht stark aromatisierten Tabake von K & K in aller Regel ein wenig zu süß riechen und schmecken. Aber ich wollte etwas Besonderes für die Ostertage. Also ließ ich mich inspirieren, kaufte den Tabak und nahm ihn mit zu meinen Schwiegereltern, wo wir uns bis zum Ostersonntag einquartiert hatten.

Der Clubabend

Pfeifenfeuerzeug mit dem Logo des 1. Kölner Pfeifenclubs

Es ist jetzt schon etwas mehr als zwei Wochen her. Es war Freitag, der 8. März, und wenn ich mich richtig erinnere, regnete es. Es war etwas wärmer als in diesen Tagen. Und ich weiß noch, dass ich dachte, es werde endlich Frühling. Nun, so kann man sich irren. Seit Tagen ist es wieder eiskalt. Es ist wie mit dieser Supergrippe, die Deutschland gerade heimsucht: Auch der Winter will und will nicht enden. Aber das ist ein anderes Thema.

Nachricht von Dan

Am Donnerstag habe ich eine E-Mail erhalten, die mich besonders gefreut hat. Daniel Hildebrandt hat mir aus Hawaii geschrieben. Vielleicht erinnert Ihr Euch: Letztes Jahr im Sommer hat mir Daniel hier erzählt, dass er seinen Traum von einem Leben auf Hawaii wahrmachen will. Damals hatte er seine Pfeife auf der Insel am anderen Ende der Welt gelassen. Sich selbst und seinem Freund Steve, der bereits auf Hawaii lebte, hatte er geschworen: „Die nächste Pfeife rauchen wir hier gemeinsam – und zwar erst dann, wenn ich ausgewandert bin.“

Die Gretchenfrage

Ohne Zweifel hat die Welt in den letzten Jahren an Geschwindigkeit zugelegt. Durch das Internet ist der Informationsfluss um ein Vielfaches schneller geworden als noch vor 20 Jahren. Einerseits macht das vieles einfacher. Andererseits müssen wir deshalb auch viel, viel schneller auf viel, viel mehr Informationen reagieren. Die „Dynaxität“ – eine unheilvolle Allianz der beiden Worte „Dynamik“ und „Komplexität“ – hat zugenommen und prägt das Lebensgefühl einer ganzen Generation. Es ist ein Lebensgefühl, das kaum noch Raum kennt für die Dinge im Leben, die Zeit kosten ohne einen direkten Nutzen zu erzeugen. Für so etwas wie Pfeiferauchen ist eigentlich kein Platz mehr in dieser Welt.

Das Böse raucht Pfeife

Vorletzte Woche hatte ich das Vergnügen mir den neuen Film von Quentin Tarantino anschauen zu können. Eigentlich wollten meine Frau und ich uns den „Hobbit“ ansehen. Aber irgendwie passte „Django Unchained“ von den Startzeiten besser. Also rein mit uns in den Western. Und von der zu erwartenden Tarantino-Gewaltästhetik einmal abgesehen, war das wirklich ein erstklassiger Film mit – und jetzt wage ich mich ein wenig aus dem Fenster – mit Tiefgang. Ich rede jetzt nicht davon, dass die Gräueltaten der amerikanischen Sklaverei wirklich abschreckend dargestellt waren. Nein, nein. Ich meine etwas anderes. Ich meine den Deutschen.